Kurt Julius Goldstein – Vorwärts und nicht vergessen! Ein Filmporträt von Ingrid Strobl

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,

die DKP Marburg-Biedenkopf und die SDAJ Marburg-Gießen laden ein zu einem Filmabend mit persönlichem Einleitungsreferat von Dr. Friedrich-Martin Balzer (Autor und Herausgeber) zum Leben und Wirken von Kurt Julius Goldstein. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Damals wie heute gilt: Nie wieder Faschismus! zeigen wir den Film „Kurt Julius Goldstein – Vorwärts und nicht vergessen! Ein Filmporträt von Ingrid Strobl„.
Ort: Marburg, Käte-Dinnebier-Saal im Gewerkschaftshaus, Bahnhofstraße 6
Zeit: Donnerstag, 18. August 2016, 19:30 Uhr
Themenbeschreibung: Vorwärts und nicht vergessen! – KURT JULIUS GOLDSTEIN – Ein Porträt
Deutscher. Jude. Kommunist. So beschrieb sich Kurt Julius Goldstein. Er war ebenso Spanienkämpfer, Überlebender der KZ Auschwitz und Buchenwald, Rundfunk-Intendant, Funktionär im internationalen Verband der Widerstandskämpfer und bis zu seinem Tode am 24. September 2007 aktiver Antifaschist. Um seiner zu erinnern, zeigen wir im Rahmen der antifaschistischen Veranstaltungsreihe „Damals wie heute gilt: Nie wieder Faschismus!“ nach einer persönlichen Einführung von Dr. Friedrich-Martin Balzer* den von diesem produzierten und vertriebenen Film „Vorwärts und nicht vergessen! – Kurt Julius Goldstein. Ein Porträt“.
Das Porträt über Kurt Julius Goldstein entstand zu seinem 80. Geburtstag am 3. November 1994. Der Film ist in drei Abschnitte gegliedert: in die Zeit vor 1933, in die Zeit bis 1945 und die Zeit nach der Befreiung vom Faschismus. Kurt Julius Goldstein erzählt unkommentiert über sein Leben und zeigt dabei „eine große agitatorische Kraft, die unerlässlich ist, um den Funken zu jüngeren, späteren Generationen weiterzugeben und gegebenenfalls zünden zu lassen“ (Wolf-Dieter Gudopp, Philosoph). Es handelt sich um „ein beispielhaftes Stück ‚oral history‘, das mehr dazu beiträgt, die Vergangenheit zu verstehen als viele mit großem Aufwand unternommenen Versuche, uns Faschismus und Krieg ‚realistisch‘ nahe zu bringen“ (Günter Giesenfeld, Medienwissenschaftler).
Im Anschluss an den Film wollen wir, gemeinsam mit Dr. Friedrich-Martin Balzer, auf das vielseitige Leben und Wirken von Kurt Julius Goldstein zurückblicken und über die möglichen Lehren aus der Vergangenheit sprechen.
* Dr. Friedrich-Martin Balzer, Jahrgang 1940, Promotion bei Prof. Dr. Wolfgang Abendroth über „Klassengegensätze in der Kirche“, Herausgeber des schriftlichen Urteils des Frankfurter Auschwitzprozesses, des Gesamtwerkes von Heinz Düx (Untersuchungsrichter im Frankfurter Auschwitzprozess) und der Schriften von Kurt Julius Goldstein. Außerdem ist er Produzent des FilmporträtsVorwärts und nicht vergessen! – Kurt Julius Goldstein“.

Der Aufstand des Abendlandes – AfD, Pegida & Co.

Die DKP Marburg-Biedenkopf und die SDAJ Marburg-Gießen laden ein zu
einer Veranstaltung mit Phillip Becher (Marxistische Blätter) zum Thema
„Der Aufstand des Abendlandes - AfD, Pegida & Co." im Rahmen der
Veranstaltungsreihe "Damals wie heute gilt: Nie wieder Faschismus!".

Ort: Marburg, Käte-Dinnebier-Saal im Gewerkschaftshaus, Bahnhofstraße 6
Zeit: Donnerstag, 23. Juni 2016, 19:30 Uhr

Eine neue Bewegung macht in Deutschland von sich reden: PEGIDA. Sie
läuft Sturm gegen »Überfremdung«, »Islamisierung« und »Parteienstaat«.
Was in Dresden begann, hat Nachahmer andernorts gefunden. Dass die
Demonstrierenden hierbei nicht immer auf öffentliche Gegenliebe stoßen,
wird von ihnen als Unterdrückung abweichender Meinungen gebrandmarkt.
Überdeckt werden dadurch die Sympathien, die PEGIDA seitens honoriger
gesellschaftlicher und politischer Kräfte genießt, derzeit gruppiert vor
allem, aber nicht nur, um die »Alternative für Deutschland«.
Andererseits segeln im Windschatten von PEGIDA Hooligans wie die von
HoGeSa und andere Schläger. Doch auch in anderen europäischen Ländern
existieren seit Jahren wirkungsmächtige Bewegungen von rechts mit
Ablegern sowohl auf dem Asphalt als auch im parlamentarischen Raum. Sie
basteln an einem alternativen Gesellschaftsprojekt von rechts. Mit den
aktuellen Umbrüchen in der politischen Szene in Deutsch-land könnte
Vergleichbares nun auch hierzulande anstehen.

Der Sozialwissenschaftler Phillip Becher* wird in seinem Vortrag auf die
Rolle der AfD und der ihr nahestehenden Bewegungen wie PEGIDA sowie
anderer rechter Gruppierungen näher eingehen. Dabei werden wir uns mit
den Gedanken, Argumentationsmustern und der politischen Agenda dieser
rechtspopulistischen bis hin zu faschistischen Organisationen
auseinandersetzen. In der Diskussion mit dem Referierenden soll außerdem
überlegt werden, wie diesen Denkweisen und Akteuren in der Gesellschaft
begegnet werden kann.


* Phillip Becher ist Sozialwissenschaftler an der Universität Siegen und
Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Marxistische Blätter. Von ihm
erschien im Frühjahr 2013 in der Reihe «Basiswissen» im PapyRossa-Verlag
der Band «Rechtspopulismus» und 2015 das Buch „Der Aufstand des
Abendlandes: AfD, PEGIDA & Co. Vom Salon auf die Straße“. Dieses Buch
widmet sich der Entstehung und dem Erfolg der rechten Protestbewegung
PEGIDA und behandelt ihr Verhältnis zu anderen rechten Bewegungen und
Parteien in Deutschland und Europa.

Der Rechtsstaat im Untergrund – Von Gladio bis zum NSU-Komplex

Der Prozess zur Aufklärung der Terror- und Mordserie des
„Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) läuft nun seit drei Jahren.
Ein Ende ist nicht absehbar. Die Anklageschrift geht bis heute von der
›Erkenntnis‹ aus, dass der NSU aus drei Mitgliedern bestanden habe, die
letzte Überlebende säße auf der Anklagebank: Beate Zschäpe. Die zweite
Gewissheit der Anklagevertretung besteht darin, dass der NSU eine hoch
konspirative Zelle gewesen sei und keine strukturellen Verknüpfungen zu
anderen neonazistischen Gruppierungen (Blood & Honour, Combat 18 usw.)
unterhalten hätte. Die dritte Gewissheit besteht darin, dass staatliche
Stellen in keiner strafrechtlichen Weise darin verwickelt sind, weder am
Aufbau dieser terroristischen Struktur (durch V-Leute z.B.), noch an der
Nicht-Aufklärung der Terror- und Mordserie (z.B. durch falsche und
unterschlagene Spuren, die zu den Tätern geführt hätten).

Die systematische Vernichtung von Beweismitteln, die Beseitigung von
V-Mann-Akten im Nahbereich des NSU lassen keinen anderen Schluss zu, als
den, dass es sich bei den angeblichen „Pannen“ vielmehr um vorsätzlich
falsche Ermittlungsergebnisse handelt. Der Autor und Journalist Wolf
Wetzel wird dies anhand zentraler Punkte belegen.

Die Verbrechen des NSU sind schließlich in einen größeren politischen
Zusammenhang einzuordnen. Bereits wenige Jahre nach Ende des Zweiten
Weltkriegs wurden in den europäischen NATO-Staaten sogenannte „Stay
Behind“-Armeen („Gladio“) aufgebaut. Für diese geheime
Terrororganisation wurden Faschisten von Geheimdiensten wie dem
Bundesnachrichtendienst rekrutiert, militärisch ausgebildet, bewaffnet
und angeleitet. Julia Müller (SDAJ) wird die Kontinuität der staatlichen
Anleitung des faschistischen Terrors von Gladio bis zum NSU aufzeigen.

Doch was bedeutet die Existenz von faschistischen Killerkommandos als
Teil des Staatsapparats für eine antifaschistische Strategie? Was
bedeutet es, wenn bis heute darüber geschwiegen wird, wer die Bewaffnung
von Faschisten politisch angeordnet, parlamentarisch „kontrolliert“ hat?
Und ist die strafrechtliche Nicht-Verfolgung der Taten, die in diesem
Kontext begangen wurden, vergleichbar mit der jetzt stattfindenden
„Aufklärung“ der NSU-Taten?

Wir freuen uns darauf, diese und andere Fragen mit euch und Ihnen zu
diskutieren!
Die DKP Marburg-Biedenkopf und die SDAJ Marburg-Gießen laden ein zu
dieser Veranstaltung mit Julia Müller (SDAJ) und Wolf Wetzel (Journalist
und Publizist)im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Damals wie heute
gilt: Nie wieder Faschismus!".

Ort: Marburg, Käte-Dinnebier-Saal im Gewerkschaftshaus, Bahnhofstraße 6
Zeit: Donnerstag, 19. Mai 2016, 19:30 Uhr

Vom FASCHISTISCHEN BEWUSSTSEIN zum „LACHEN DER TÄTER“

Massenpsychologie, Männerphantasien, Mörderlächeln

Warum lachen faschistische Täter, wenn sie morden? Warum stellen sie ihre Taten öffentlich aus, statt sie zu verheimlichen? Welche Rolle spielen heutige Medien – Internet (Youtube, Social Media…), Fernsehen und Smartphones? Welche Rückwirkungen haben sie auf die Selbstwahrnehmung?

Ist Anders Breivik, der lächelnde Massenmörder, verrückt? Wovon sind IS-Kämpfer geleitet? Von Religion? Wenn die Zeiten schlechter werden: Warum wenden sich die Unterdrückten politisch eher nach rechts als nach links?

Christian Mark aus Marburg beschäftigt sich mit all diesen Fragen in seinem Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Damals wie heute gilt: Nie wieder Faschismus!. Er beschreibt dabei die Entwicklung der faschistischen Persönlichkeit vor einem Jahrhundert bis heute anhand der Publikationen von Wilhelm Reich* und Klaus Theweleit*: „Massenpsychologie des Faschismus“, „Männerphantasien“, „Das Lachen der Täter: Breivik, NSU u.a“

Eine (kontroverse) Diskussion über die immer wieder neu entstehenden Faschismen ist dringend nötig; sie darf die einzelne Person, das Individuum, nicht außer Acht lassen.

* Wilhelm Reich, Psychoanalytiker, Soziologe, und Naturforscher beschreibt die Rolle der kleinbürgerlichen Familie, des Patriarchats, der Religion und der Sexualunterdrückung bei der Formung des faschistischen Charakters als Massenphänomen.

* Klaus Theweleit, Literaturwissenschaftler, Kulturhistoriker und Faschismusforscher beschreibt die Zurichtung des Männerkörpers, die sich daraus ergebenden Wahrnehmungsformen und die Rolle der Massenmedien.

Zeit: 28. April 2016, 19.30 Uhr

Ort: DGB-Haus Marburg, Bahnhofstrasse 6

Veranstalterinnen: DKP Marburg, SDAJ Marburg

Ein schmaler Grat – Widerstand im KZ Buchenwald

„Haben wir alles richtig gemacht?“ ist der Titel eines Interviews mit Paul
Grünewald, der mit Karl Peix und Walter Krämer – beide wurden 1941 ermordet –
eine Widerstandsgruppe im Krankenrevier des KZ Buchenwald bildete.
Insbesondere Krämer war in der DDR als „Arzt von Buchenwald“ populär, im Roman
„Nackt unter Wölfen“ setzte ihm Bruno Apitz ein literarisches Denkmal. Doch die
einfache Schwarz-Weiß-Beschreibung von antifaschistischen Helden unterschlägt die
komplizierten Verhältnisse in den Konzentrationslagern. Während nach Krämer
Schulen, Straßen usw. benannt wurden, fand Karl Peix später kaum noch Erwähnung.
Dabei war er zunächst von zentraler Bedeutung für den Widerstand in Buchenwald,
verstrickte sich aber zunehmend in Machenschaften mit der SS, Vorwürfe gehen bis
hin zu Mord.
Im Gespräch berichtet Grünewald mit seltener Offenheit über das Dilemma von
notwendiger Zusammenarbeit mit SS-Schergen, Korruption, Geldbeschaffung und
politischem Selbstverständnis.
Der Vortrag von Bernd Langer (Kunst und Kampf) zu dem auf CD erschienenen
Interview (mehr unter: www.kunst-und-kampf.de und paul-gruenewald.kunst-und-
kampf.de) wird auf die Lebenswege der Handelnden eingehen und die Geschichte des
Widerstands erzählen.

Marburger Echo #21

Bezahlbarer Wohnraum statt sicherer Rendite

In Marburg kann man in den letzten 10 – 15 Jahren beobachten, dass aufgrund von Kosteneinsparungen, eine wichtige Aufgabe freiwillig aus der Hand gegeben wurde, nämlich die städtebaulichen Planungen – die u.a. Wohnungsneubau und Stadtgestaltung zur Aufgabe hat. Gerade dieses große Feld wurde den privaten Investoren, an erster Stelle ist hier Schreyer und Schreyer (S+S Grundbesitz GmbH) zu nennen, überlassen.

Diesen geht es nicht um bedarfsorientiertes Wohnen – sondern um ihre ganz eigenen Gewinne. Dabei sollte es doch gerade eine selbstverständliche Aufgabe der Stadt Marburg sein, ihren BürgerInnen wirtschaftliche, soziale und kulturelle Dienstleistungen bereitzustellen. Leider ist es für Baudezernent und Bürgermeister Dr. Franz Kahle völlig normal, dass es sich bei neu zu errichtenden Wohnungen in der Universitätsstadt Marburg um Renditeobjekte handelt, die sich rechnen müssen – für den Investor versteht sich. Exemplarisch sei die Bebauung an der alten Universitätsgärtnerei durch S+S Grundbesitz GmbH genannt, welche Bürgermeister Franz Kahle ausdrücklich begrüßt und auf deren Vermarktungserfolg verweist. S+S Grundbesitz GmbH annonciert in Hochglanzbroschüren die Wohnungen für beispielsweise 415.000,00 Euro (4 Zimmer, etwa 122 Quadratmeter, dass entspricht etwa 3.400 € pro qm) oder 315.000,00 Euro (3 Zimmer, knapp 73 Quadratmeter, entspricht etwa 4.315€ pro qm). Auf meine Nachfrage, ob diese Preise für den Bürgermeister sozialverträglich seien oder ob es sich bei diesen Wohnungen nicht doch eindeutig um Renditeobjekte handle, blieb er mir eine Antwort schuldig!

Dies alles erinnert sehr an ein allgemein bekanntes Brettspiel, deshalb ein Auszug aus den Spielregeln von Monopoly: „Sinn des Spiels ist es, Besitztümer so günstig zu kaufen, zu vermieten oder zu verkaufen, dass man der Reichste und möglichst Monopolist wird. Wer das meiste besitzt, der hat gewonnen. Und wer am wenigsten besitzt, der hat verloren.“ Die Stadt Marburg ist kein Spielbrett, deshalb sollten die Verantwortlichen VertreterInnen des Marburger Magistrats auch in diesem Sinne handeln, um nicht doch nur die Randfiguren in einem Spiel zu sein.

Ein Vorschlag zur Güte, um etwas der Allgemeinheit zurückzugeben, wenn die Stadt Marburg schon ausschließlich das Heil in „städtebaulichen Verträgen“ sucht. Die Verträge werden durch die Stadtverwaltung einerseits und Grundstücksbesitzer und Investoren andererseits ausgehandelt. Sie müssen festlegen, dass nicht nur der Private, sondern die Allgemeinheit von der Wertsteigerung profitiert, die ein Boden erfährt, wenn er zu Bauland wird. Maximal zwei Drittel der Wertsteigerung darf die Stadt abschöpfen, um Gutachten und Kindergartenplätze, Ausgleichsflächen und Energiekonzepte zu finanzieren. Dabei ist es rechtlich möglich, bis zu zehn Prozent der Investitionssumme einzubehalten.

Ich meine: Deutschland und seine Kommunen sollen nicht auf Wohltaten angewiesen sein. Davon steht nichts im Grundgesetz. Da steht etwas Anderes: es soll ein demokratischer und sozialer Staat sein – Artikel 20 GG. Dieser soll nicht auf die Almosen einiger Mäzen angewiesen sein, sondern sich selbst finanzieren können: dadurch, dass sie angemessen besteuert werden. Und das wäre erst der Anfang. Viel besser wäre, es gäbe keine Armen und keine Superreichen mehr. Denn die Kluft zwischen Arm und Reich wird in nahezu jedem Land der Welt immer größer. Vor einem Jahr sagte die Organisation Oxfam voraus, im Jahr 2016 werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung, also rund 70 Millionen Menschen, mehr besitzen als die restlichen 99 Prozent (rund sieben Milliarden Menschen) zusammen. Oder noch drastischer zeigen die Vermögen der Superreichen den Trend: Inzwischen besitzen die 62 reichsten Einzelpersonen genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – vor einem Jahr waren es noch 80 Personen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oxfam-62-superreiche-besitzen-so-viel-wie-die-halbe-welt-a-1072453.html

Tanja Bauder-Wöhr

(DKP-Mitglied, „Marburger Linke“ Platz 2)

Tanja Bauder-Wöhr – Die linke Nachbarin

Vor etwa sieben Jahren war sie plötzlich da: Sie schneite in die öffentliche Fraktionssitzung der „Marburger Linken“ hinein, kehrte jede Woche wieder und sagte längere Zeit gar nichts.

Das ist ungewöhnlich, denn auf den Mund gefallen ist sie nicht. Auch war sie weder neu in Marburg noch von Kommunalpolitik unbeleckt. Tanja Bauder-Wöhr kommt aus Heidenheim in Baden-Württemberg, wo sie von früher Jugend an in der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und dann auch in der DKP aktiv war. In dieser Stadt sind die Kommunistinnen und Kommunisten seit Jahrzehnten im Stadtrat. Das ist eine andere Gemeinde als Marburg. Stadtbeherrschendes Unternehmen ist der Maschinenbauer Voith. Da geht es auf der Linken proletarischer zu.

Auch als Tanja in Marburg Rechtswissenschaften studierte, Referendarin war und ihr Zweites Juristisches Staatsexamen machte, hatte sie weder mit der Uni-Politik noch mit dem Rathaus viel am Hut. Sie fürchtete, unter eine Käseglocke zu geraten und schaute sich lieber anderwärts um, zum Beispiel einige Zeit in den USA.

Aber irgendwann wurde sie bodenständig diesseits des Atlantik und jenseits des proletarischen Südens. Sie bekam zwei Söhne und fand, jetzt müsse sie sich mal praktisch um die Umstände kümmern, in denen sie aufwachsen würden, und das war eben in Marburg.

Tanja guckte sich die „Marburger Linke“ an und fand sie akzeptabel, auch weil sie keine Partei, sondern ein Bündnis ist, wo man nicht immer im eigenen Saft schmort.

2011 wurde sie in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Sie nahm sich vor, vor allem außerdem der Rituale des Rathauses sichtbar zu werden und gab deshalb das „Stadtinfo“ der DKP heraus. Dieses Blättchen verteilte sie in der Woche nach jeder Stadtverordnetensitzung vor „Ahrens“.

Es gab ein Problem: Kaum hatte Tanja Aufstellung auf der Straße genommen, wurde sie schon von Marburgerinnen und Marburgern in Gespräche verwickelt. Das machte ihr Spaß. Man redete und redete. So verging der Nachmittag, und als Tanja dann auf die Flugblätter – das „Stadtinfo“ – in ihren Händen guckte, waren diese fast alle noch da. Das unmittelbare Gespräch war und ist einfach wichtiger. Seit dieser Erfahrung verbreitet sie ihre schriftlichen Nachrichten lieber und effizienter auf der Homepage des „Marburger Echo“ und ist noch viel mehr unterwegs als vorher.

Sie ist Mitglied im Bau-Ausschuss und macht das gern. Aber sie wäre keine Kommunistin, wenn sie sich nicht auch für Sozialpolitik interessieren würde.

Andreas und Sebastian, die Söhne von Tanja, sind begeisterte Fußballer, und auch sie treibt gern Sport. Also verbringt sie viel Zeit auf Gras- und Hartplätzen, vor allem dort, wo auch Kinder und deren Eltern sind. Da lernt man Menschen mit weit auseinander liegenden Auffassungen kennen. Tanja ist neugierig, und weil sie mit allen redet, wird sie immer schlauer. In Cappel, wo sie wohnt, ist sie die linke Nachbarin von nebenan.

Das wird sie auch bleiben, wenn sie wieder in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wird. Sie kandidiert auf Platz zwei der Marburger Linken, ist also auch da kaum zu übersehen.

Georg Fülberth

AfD im Aufwind – Was tun?

Der neuesten Sonntagsfrage zu Folge würde die „Alternative für Deutschland“ bei der nächsten Bundestagswahl auf 12% kommen. Sie hätte damit noch vor der Linkspartei und den Grünen die Rolle der stärksten Oppositionspartei inne. Wie konnte es soweit kommen? Wie kann es sein, dass eine Partei, deren Mitglieder den Einsatz von Schusswaffen gegen Geflüchtete fordern und deren FunktionärInnen in aller Öffentlichkeit ihre Rassentheorien kundtun, so starken Zulauf gewinnt?

Die Aufgabe aller sich in irgendeiner Art und Weise als ‚links‘ verstehenden politischen Kräfte ist es, dieser Frage nach zugehen. So notwendig Demonstrationen und Blockaden gegen AfD-Veranstaltungen auch sind, es darf nicht bei diesen ‚Abwehrkämpfen‘ bleiben. Es gilt, die Mechanismen, die die Massen in die Arme der RechtsextremistInnen treiben, herauszustellen, anzuprangern und aktiv gegen sie zu wirken. Ich meine damit nicht, dass wir Verständnis für RassistInnen wie Bernd Höcke, von Storch und andere ‚besorgte BürgerInnen‘ zeigen sollen. Ich bin auch nicht der Auffassung, man solle das Gespräch mit den rechtsradikalen, faschistischen Schlägertruppen von Heidenau und Freital suchen.

Aber: Nicht alle dieser 12% oder derjenigen, die den rechten Parolen der CDU/CSU usw. Gehör schenken, sind Rechtsextreme. Vielfach sind es Menschen, die von der sozialen Spaltung unserer Gesellschaft betroffen sind oder Angst haben es in Zukunft zu sein. Wir ‚Linken‘ dürfen diese Menschen nicht ‚rechts‘ liegen lassen. Wir müssen uns die Diskurshoheit, die wir durch Rückzug in Abwehrkämpfen oder plumpe Kopie rassistischer Parolen verloren haben, zurückerobern.

Vermitteln wir den Menschen: Ja, es gibt große Probleme; zu niedrige Renten, zu niedrige Löhne, überall wachsende Ungleichheit und Armut. Aber es sind nicht die Geflüchteten, die daran schuld sind. Schulen und Schwimmbäder wurden bereits vor der sogenannten ‚Flüchtlingskrise‘ geschlossen, die Ungleichheit nimmt seit Jahren stetig zu, genauso die Zahl derjenigen, die Aufstocken oder anderweitig in prekären Arbeitsverhältnissen schuften müssen. Das Problem sind nicht die Menschen, die nun zu uns kommen. Im Gegenteil: Sie fliehen vor Kriegen, die unsere Politik mit zu verantworten hat. Sie fliehen vor Armut, die unsere Wirtschaft mit zu verantworten hat, kurz: Sie fliehen vor den Auswirkungen des gleichen Systems, dass auch in Deutschland Ungleichheit produziert. Die Menschen, die jetzt zu uns kommen sind nicht unsere ‚Gegner‘, sie sind unsere potenziellen politischen Freunde. Lassen wir uns nicht spalten, stehen wir gemeinsam, solidarisch zusammen gegen Ausbeutung, Krieg und Ungleichheit – weltweit!

Michael Henkes

Die gesamte Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: mrecho21

„Die Frau meines Vaters“ – Erinnerungen an Ulrike Meinhof

♦ DKP Marburg und SDAJ Gi-Mr laden ein zu

Lesung und Gespräch

mit

Anja Röhl

So. 13.03.2016, 11:00 Uhr, TTZ Marburg (Software-Center 3)

Ulrike Marie Meinhof (1934-1976), „Konkret“-Kolumnistin und spätere Mitbegründe-
rin der „Roten Armee Fraktion“, ist im Hessischen, in Weilburg, aufgewachsen und
hat kurze Zeit in Marburg studiert. Angeblich wurde sie hier auch in die illegale KPD
aufgenommen, die sie 1964 wieder verließ. Die öffentliche Erinnerung an sie befasst
sich vor allem mit den sechs letzten Jahren ihres Lebens, von 1970 bis 1976: die RAF-
Zeit. Ihre Aktivitäten in der Bewegung gegen die atomare Aufrüstung und ihre zeit-
weilig große journalistische Wirkung verschwinden dahinter.
Anja Röhl, eine Stieftochter Ulrike Meinhofs, die ihre Kindheit und Jugend bei ihr
verbrachte, verzichtet darauf, in die zeitgeschichtlichen Debatten um die RAF einzu-
greifen. Sie hat 2013 im Verlag Nautilus Erinnerungen an die Jahre da-
vor veröffentlicht: „Die Frau meines Vaters“. Nur im ersten und oberflächlichen Hin-
blick erscheint dieses Buch zunächst eher persönlich. Dann aber zeigt es seine politi-
sche Dimension: die bedrückende Atmosphäre der fünfziger und sechziger Jahre, der
Adenauerzeit und des Weiterwirkens einer faschistischen Vergangenheit. Aus dem,
was sie damals wahrnahmen, zogen junge Menschen später Konsequenzen, die Vielen
heute nicht mehr nachvollziehbar sind.
Am Sonntag, den 13. März 2016, 11 bis 13 Uhr,
liest Anja Röhl
in einer Matinee
im Wintergarten des TTZ Marburg (Software-Center 3)
aus ihren Erinnerungen an Ulrike Meinhof, deren Todestag sich im Mai zum
vierzigsten Mal jährt.

anjaroehl-Veranstaltung

Kapital, Reichswehr und die NSDAP

  • DKP Marburg  und SDAJ Gi-Mr laden ein zu einer Veranstaltung
  • am 25/02/2016 in Marburg

    Aufstieg des Faschismus 1919 bis 1933

    In der Diskussion um die Ursachen des Faschismus herrscht oft große Ratlosigkeit. Der Aufstieg des deutschen Faschismus in Gestalt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) mit ihrem Führer Adolf Hitler erscheint oftmals als eine Heimsuchung, als etwas Unerklärliches, etwas „Böses“, das aus der Tiefe der „deutsche Seele“ kommt. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Hitler kann mit Fug und Recht als der erfolgreichste V-Mann der Geschichte angesehen werden. Seine politische Karriere begann direkt nach dem Ersten Weltkrieg. Als Spitzel der Reichswehr sollte er rechte Gruppierungen infiltrieren und Informationen beschaffen. Eine Organisation sollte er dabei besonders beobachten – die Deutsche Arbeiterpartei, die Vorläuferorganisation der späteren NSDAP. Bis zum Ende der 1920er Jahre entwickelte sich die NSDAP unter Führung Hitlers zu einer denkbaren – aber nicht zur einzigen – Option gegen die linkspolitische Arbeiterbewegung. Mit der Krise des Kapitalismus im Zuge der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 wurde die NSDAP für große Teile des deutschen Kapitals schließlich zur wesentlichen Alternative, auf die es politisch zu setzen galt.
    Im Referat von Gerrit Brüning (SDAJ) zum Aufstieg des deutschen Faschismus soll diskutiert werden, inwiefern die NSDAP von Teilen des Militärs und des Kapitals als mögliche Hilfstruppe gegen die „Rote Gefahr“ aufgebaut wurde, die es „auszumerzen“ galt.
    Dabei steht vor allem der Kampf der Faschisten gegen die politische Arbeiterbewegung, allen voran die kommunistische Massenbewegung, im Mittelpunkt des Interesses.

    +++mit Gerrit Brüning (SDAJ)+++

    Teil der Veranstaltungsreihe
    „Damals wie heute gilt: Nie wieder Faschismus!“

    Veranstalterinnen:

    DKP Marburg + SDAJ Gi-Mr

  • Flyer – Kapital, Reichswehr und die NSDAP

Auschwitz – andauerndes Ringen um das Geschichtsbild

DKP Marburg-Biedenkopf und SDAJ Marburg-Gießen laden ein zu einer Veranstaltung  mit Henning Mächerle und Dr. Friedrich-Martin Balzer

Was war Monowitz? [Referent: Henning Mächerle]
Am 27. Januar 2016 jährte sich zum 72. Mal der Tag, an dem die Rote Armee 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreite. Der KZ-Komplex Auschwitz bestand aus drei Teilen: Auschwitz, Birkenau und Monowitz, welches nur wenigen Menschen ein Begriff ist.
In seinem Referat wird Henning Mächerle (DKP, VVN.BdA) aufzeigen, was das Lager Monowitz für eine Funktion hatte und was es schließlich war. Im Fokus seines Vortrags stehen Fragen wie: In welchem Verhältnis stand Monowitz zum Chemiekonzern IG Farben? Welche Rolle spielte das Unternehmen für die Funktion des KZ Auschwitz insgesamt? Warum erinnert heute so wenig an diese Verbindung von Wirtschaft und Holocaust?

Was hat der deutsche Mehrheitsprotestantismus mit Auschwitz zu tun? [Referent: Dr. Friedrich-Martin Balzer*]

Welcher Zusammenhang besteht zwischen evangelischer Kirche und dem Aufstieg sowie der Festigung des Faschismus in Deutschland? Inwieweit war die Evangelische Kirche an der schrittweisen rechtlichen Drangsalierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung und schließlich an der Vorbereitung des Holocaust beteiligt? Wie erfolgte nach dem Ende des Faschismus die rechtliche und historische Aufarbeitung der eigenen Mitschuld? Mit diesen Fragen sowie dem seit Anfang des Nazistaates bestehenden Widerstand aufrechter deutscher Antifaschisten – darunter christliche Sozialisten wie Erwin Eckert, Emil Fuchs und Heinz Kappes – beschäftigt sich Dr. Friedrich-Martin Balzer in seinem Referat.
* Dr. Friedrich-Martin Balzer, Jahrgang 1940, Promotion bei Prof. Dr. Wolfgang Abendroth über „Klassengegensätze in der Kirche“, Herausgeber des schriftlichen Urteils des Frankfurter Auschwitzprozesses, des Gesamtwerkes von Heinz Düx, Untersuchungsrichter im Frankfurter Auschwitzprozeß, und der Schriften von Kurt Julius Goldstein, genannt „der Judenkönig von Auschwitz“. Studiendirektor im Privatschuldienst (1977-1997) und Mitglied der „Marx-Engels-Stiftung“.
Ort: Marburg, Käte-Dinnebier-Saal im Gewerkschaftshaus, Bahnhofstraße 6
Zeit: Donnerstag, 28. Januar 2016, 19:30 Uhr

Auftaktveranstaltung Veranstaltungsreihe

WIE WEITER MIT DER UKRAINE?

Veranstaltung zum 1. September – Antikriegstag

mit dem Junge Welt-Journalisten und Buchautor REINHARD LAUTERBACH

 31. August, 19:00 Uhr, DGB Haus Marburg, Bahnhofstraße 6

1. September, 19:00 Uhr, Kongresshalle Gießen

 

Obwohl der Stellvertreterkonflikt zwischen EU/ USA und Russland in der Ostukraine weitestgehend aus den Schlagzeilen verschwunden ist, herrscht dort keineswegs Frieden. Im Gegenteil. Seit Minsk II ist der Krieg der Ukrainischen Armee gegen die nach Autonomie strebenden Milizen bis auf weiteres „eingefroren“. Eine Eskalation des Konfliktes ist jederzeit denkbar.

Innenpolitisch bietet die Ukraine ein bizarres Bild: Unterstützt von IWF und EU werden dort Sozialabbau und Privatisierungen vorangetrieben. Faschistische Gruppierungen – nach westlicher Lesart in der Ukraine gar nicht existent – versuchen, den sozialen Unmut zu kanalisieren und ihr politisches Gewicht weiter zu erhöhen. Sie profitieren dabei auch vom hysterischen anti-russischen Kriegsgeschrei der Poroschenko-Regierung. Gleichzeitig hat das nationalistische Regime der Kommunistische Partei der Ukraine, die im Westen des Landes dem Kurs der Regierung Widerstand leistet, die Beteiligung an Wahlen verboten.

 

Wir stellen deswegen die Frage: Wie weiter mit der Ukraine? Wie kann Solidarität mit den antifaschistischen Kräften in der Ukraine aussehen?

 

Veranstalter MR: SDAJ Marburg/ Gießen, DKP Marburg-Biedenkopf, DGB Marburg-Biedenkopf

 

Veranstalter GI:  SDAJ Marburg/ Gießen,  DKP Gießen