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Ausgefragt
„Ich will handeln können.“

VON: MARBURGER ECHO

3.11.08

Im Gespräch mit Herwig Selzer, Kreisvorsitzender der DKP Marburg-Biedenkopf und BR-Vorsitzender bei der Lebenshilfe, Gießen.

Herwig Selzer (DKP)
Herwig Selzer (DKP)

40 Jahre DKP - was fällt Dir spontan dazu ein?

Ich bin froh und glücklich, dass es diese Partei gibt. 40 Jahre Existenz und Wirken einer revolutionären Partei in der Bundesrepublik Deutschland, das ist wirklich kein Pappenstiel. Ich habe in dieser Partei wunderbare Menschen kennen gelernt, die mein Leben äußerst positiv beeinflusst haben. Jeden Tag mit der Überzeugung starten zu können, dass es immer Menschen geben wird, die den Kapitalismus nicht als gottgegeben hinnehmen und für sich als Konsequenz die Mitgliedschaft in der DKP ziehen, ist sehr beruhigend.

 

Die DDR ist auch vierzig Jahre alt geworden, aber kein Jahr älter ...

Das ist wohl wahr. Ich würde sagen: Viel zu früh aus dem Leben gerissen. Aber so ist nun mal das Leben. Es gibt die großartigen Augenblicke, es gibt die Tragödien. Entscheidend ist und bleibt die Antwort auf die Frage: Wie gehe ich damit um? Versinke ich in Depression oder sage ich mir, schaue Dir die Dinge genau an, diskutiere sie mit deinen GenossInnen und finde Lösungen für die Zukunft. Der Optimusmus ist so Teil von mir geworden. Für die DDR war es der letzte Geburtstag, für die DKP fängt das Leben jetzt erst richtig an.

 

Meinst du das im Ernst?

Ja. Am Infostand habe ich schon öfters gehört: “Was, Euch gibt es noch?”. So eine Frage ist eigentlich komplett verrückt, weil es uns natürlich gibt und geben muss, damit ein gänzlich anderes Zusammenleben möglich wird. Aber dann denke ich mir: “Muss man das jetzt wissen?” Wir sind so klein, dass man uns tatsächlich übersehen kann. Aber die Ideen, die wir vertreten, sind groß. Deswegen überrascht es mich nicht, dass, wie im Falle Christel Wegner (DKP-Mitglied im niedersächsischen Landtag) um diese klitzekleine Partei ein Riesen-Medienrummel veranstaltet wird. Anders betrachtet: Wir haben bereits jetzt eine unerträgliche Spaltung in arm und reich. Wer nicht komplett seine Selbstachtung verloren hat und nicht auf Kosten Anderer leben kann, hat ein offenes Ohr für unsere Sichtweise. Diese Menschen gibt es mehr als man denkt. Wir werden in den nächsten Jahren größer werden, davon bin ich überzeugt.

 

Warum soll jemand in die DKP eintreten? Was wäre dein Hauptargument?

Zu leben ist wunderbar und damit das so bleibt, sollte jede/r von uns peinlichst darauf achten, sich nicht einmachen zu lassen und stattdessen aufrecht zu gehen. Gebuckelt durch die Gegend zu laufen macht krank. Eine revolutionäre Partei kann in dieser Richtung äußerst hilfreich sein. Dies sage ich nicht einfach so. Mir gibt es auf jeden Fall Kraft. Es ist eine Lebenseinstellung. Ich habe keine Lust, mir beispielsweise nur zu vergegenwärtigen, wie furchtbar die gegenwärtige Rechtsentwicklung in der BRD ist, von Naziaufmärschen angefangen bis hin zu einer Regierungspolitik, die die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums forciert betreibt. Ich will meine Unabhängigkeit gesichert sehen, ich will handeln können. In jeder anderen Partei würde ich mich als Teil “unseres” real existierenden deutschen Staates sehen, die mit welcher politischen Vorgabe und Sehnsucht auch immer den Frieden mit dem inneren Feind geschlossen hat, was man natürlich auch nicht mehr sagen darf oder sich nichts anderes sehnlicher erwünscht.

 

Dann erübrigt sich wohl die Frage, ob du Die Linke als eine Partei ansiehst, die das kapitalistische Sytem in der BRD überwinden will?

Ja.

 

Und was wolltest du schon immer zum 40. Geburtstag der DKP sagen?

An dieser Stelle würde ich dann doch ganz gerne mal Lenin zu Wort kommen las-sen. Es lohnt sich wirklich, seine Werke zu lesen. Sehr erhellend kann ich da nur sagen. Immer noch brandaktuell. Ganz großartig. Von ihm stammt auch folgende Aussage: “Wenn der Mensch die Kraft zum guten Träumen eingebüßt hätte, wenn er nicht immer wieder vorauseilen würde und mit seiner Einbildungskraft das Ganze seines Tuns überschauen würde, das sich mühselig unter seinen Händen herauszubilden beginnt - wie könnte er überhaupt das Umfassende seiner Anstrengungen aushalten? Träumen wir also! Aber unter der Bedingung, ernsthaft an unseren Traum zu glauben, das wirkliche Leben auf das Genaueste zu beobachten, unsere Beobachtungen mit unserem Traum zu verbinden, unsere Phantasie gewissenhaft zu verwirklichen! Träumen ist notwendig...”

 








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